Kamerahelden

Günstigste Lösung für Makro

by on Nov.18, 2014, under Grundlagenwissen Fotografie

Mit einer Spiegelreflexkamera brauchst du für Makrofotos (Vergrößerung von 1:1) eigentlich ein Makroobjektiv, welche zwar super sind, aber neu einige Hundert Euro kosten.

Zum Ausprobieren geht es aber auch kostenlos, wenn du ein älteres Objektiv mit Blendenring hast. Ansonsten lässt sich auf dem Flohmarkt ein altes 50mm mit irgendeinem Bajonett als günstige Makrolösung für sehr wenig Geld kaufen.

Makrofoto ohne Makroobjektiv (50mm abgenommen)

Makrofoto ohne Makroobjektiv

Das Beispielfoto ist mit einem abgenommenen 50mm-Objektiv entstanden, da dieses maximal auf 45 cm fokussieren kann, der Arbeitsabstand hier aber deutlich geringer war ich ohne Makroobjektiv arbeiten musste, da ich keins dabei hatte. Das Foto zeigt kein 1:1 Makro, sondern ich wollte nur ein schönes Foto machen.

Das grundsätzliche Vorgehen bei den Makromethoden mit einem normalen Objektiv ist gleich: Du stellst die Kamera auf M (Manuell), nimmst das Objektiv ab und stellst an diesem die gewünschte Blende ein—z. B. f/8. Achte darauf, dass nicht zu viel Staub in die offene Kamera gelangt.

Um den Abbildungsmaßstab zu erhöhen hast du nun zwei verschiedene Möglichkeiten:

Abstand vergrößern

Oft reicht es schon das Objektiv abzuschrauben und mit der Hand abgeschirmt vor die Kamera zu halten um z. B. wie oben mit einem 50mm eine Blüte formatfüllend abzulichten. Dabei musst du beachten, dass du den Zwischenraum vor einfallender Sonne schützt (sonst werden die Bilder flau) und dass durch den größeren Zwischenraum ein höherer Lichtabfall entsteht, der eine oder mehr Blenden Licht kosten kann.

Wenn du diese Methode praktisch findest, kannst du geeignete Zwischenringe in verschiedenen Maßen für dein Kamerabajonett kaufen, manche davon schleifen sogar den Autofokus und die elektrische Blende durch. Noch flexibler ist ein Balgen zum selben Zweck.

Umkehren

Eine noch stärkere Vergrößerung, besonders bei weitwinkligeren Objektiven, erreichst du, indem du das Objektiv verkehrt herum—in Retrostellung—vor die Kamera hälst. Der Arbeitsabstand wird hier allerdings sehr gering: Achte darauf deine Rücklinse nicht zu zerkratzen. Bildbeispiel für Retroaufnahme.

Dieses Vorgehen ermöglicht je nach Brennweite auch Vergrößerungen größer als ein normales Makroobjektiv und ist von der Bildqualität bei starken Vergrößerungen besser als lediglich den Auszug zu erhöhen, wie oben beschrieben.

Zum Anbringen an die Kamera gibt es Umkehrringe, die zum Bajonett und zum Filterdurchmesser des Objektivs passen müssen.

Falls du zwei Objektive hast, probiere diese Methode aus:

Vorsatzobjektiv

Eine Abwandlung des reinen Umkehrens ist ein Objektiv in Retrostellung auf einem anderen Objektiv. Hier hälst oder befestigst du dein manuelles Objektiv verkehrt herum vor einem an der Kamera angebrachten Objektiv, möglichst einem Teleobjektiv. Der große Vorteil: Das Tele(zoom) kann weiterhin die Belichtung messen und seine Blende steuern.

Lupe

Ja, du kannst auch mit einem normalen Objektiv durch eine Lupe fotografieren. Die Bildqualität ist dabei sehr bescheiden.

Wenn du Geld ausgeben willst, gibt es auch passende Vorsatzlinsen, am besten Achromaten, die wie eine sehr gute Lupe oder Brille wirken. Du brauchst für jeden Vergrößerungszweck und jeden Objektivfrontdurchmesser eine geeignete Vorsatzlinse. Die Bildqualität nimmt durch diese aber grundsätzlich ab, die billigen bilden grottig ab und die guten sind nicht gerade günstig. Ich würde an dieser Stelle dann eher auf ein älteres, manuelles Makro zurückgreifen.

Fazit

Du kannst mit diesen Methoden Makrofotografie ausprobieren, bist aber im Vergleich zu einem richtigen Makroobjektiv deutlich weniger flexibel: Du musst alles manuell einstellen und voll manuell, teilweise durch Abstandsänderung, fokussieren. Für bewegte Objekte wird ein gutes Makrofoto zum absoluten Glücksstreffer.

Trotzdem kannst du sehr kreative Effekte erzeugen und für einen ausprobierenden Einstieg in die Makrofotografie eignen sich diese Methoden sehr gut.

Apropos Schärfentiefe

Die sehr geringe Schärfentiefe mit winziger Schärfeebene, teilweise unter 1mm breit, ist physikalisch bedingt und vergrößert sich durch Verwenden eines Makroobjektivs nicht. Hier musst du mehr abblenden, mehrere Fotos verrechnen (stacken) oder die Schärfeebene drehen (Tilt).

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